Vulnerabel

Über Nacht wurde ich „vulnerabel“. Ich schwöre, ich habe nichts getan und konnte mich auch nicht darauf vorbereiten wie z. B. auf Weihnachten, das manchmal auch über Nacht kommt. Heute wurde im Radio von der vulnerablen Bevölkerungsgruppe über 55 gesprochen. Ich sage Euch, das war kein schönes Gefühl.

Da „Tun“ ein anderes Wort für Glück ist und ich nicht wusste, ob meinem Hausarzt bewusst ist, dass ich über Nacht vulnerabel geworden bin, habe ich ihm heute gleich offiziell und schriftlich mein Interesse an einer Impfung bekundet. Könnte ja sein, dass irgendwann so viel Impfstoff da ist, der dann gar nicht verimpft werden kann, und mein Hausarzt nicht weiß, wohin damit. Dieses Horrorszenario mit dem vielen Impfstoff wird ja auch gern von der Politik dargestellt. Dann könnte ich einspringen und die Situation retten: Felicia die Retterin.

Urlaub :-)

Nachdem ich ein wenig von der Eintönigkeit meines Alltags gelangweilt war und mich nach Abwechslung dürstete, habe ich kurzentschlossen Urlaub genommen. Was soll der Geiz bei den Urlaubstagen. Ich kann mir auch großzügig eine Woche Urlaub gönnen. Und was soll ich sagen? Es ist großartig! Es passiert gar nicht viel, aber die Tage unterscheiden sich vom Homeoffice-Alltag. Ich habe Dinge gemacht, die ich „immer schon“ machen wollte, wofür mir dann aber im Alltag die Energie fehlte. Und ich hatte viele erste Male. Das Gehirn kommt gern mal aus dem Trott heraus, und Dinge, die neu sind, führen dazu, dass sich Nervenzellen neu verknüpfen müssen. Belohnt wird dies häufig mit einem Glücksgefühl. Dieses Phänomen, das auch wissenschaftlich untersucht ist, konnte ich bereits bei meinem Glückstagebuch beobachten. Dinge, die ich erstmals machte, fanden sich abends mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Liste der Glücksmomente des Tages. Und wie zum Ende eines jeden Urlaubs habe ich viele Ideen, was ich noch alles unternehmen könnte. Der Unterschied ist allerdings, dass ich nicht auf die nächste Reise warten muss, sondern die Ideen auch am Wochenende umsetzen kann oder mir dafür einfach einen Urlaubstag gönne.

Nur Mut…

Eine unbekannte Künstlerin hängt seit einigen Monaten Teller-Botschaften im Stadtteil auf. Mal geht es darauf um Selbstliebe, manchmal ruft sie konspirativ auf, Banden zu bilden oder wie hier Mut zu haben. Meistens handelt es sich um Einzelstücke mit individuellen Botschaften, doch mit den Mut-Botschaften hat sie ein ganzes Service beschrieben und die Teller an zahlreichen Ecken im Stadtteil aufgehängt. Vielleicht damit die Botschaft besser wirkt…

Wenn Corona ein Mann wäre…

Früher spielten wir auf Zugfahrten oder wenn wir warteten (also bevor es Handys gab) ein Frage-und-Antwort-Spiel: „Wenn die gesuchte Person eine Blume wäre, welche Blume wäre sie dann?“ oder „wenn die gesuchte Person ein Buch wäre, welches Buch wäre sie dann?“ Die Frage-Kategorien ließen sich in Abhängigkeit vom Intellekt der Beteiligten und der Nähe zur Küchentisch-Psychologie beliebig erweitern.

Heute morgen hörte ich im Radio, dass der Impfstart durch die Hausärzte – ohne dass über Nacht etwas von Bedeutung passiert war – um 2 Wochen nach hinten verschoben wurde. Ich war enttäuscht und dachte bei mir, wenn Corona ein Mann wäre, hätte ich ihn schon lange auf den Mond geschossen. So häufig war ich in den letzten Monaten in Verbindung mit Corona enttäuscht worden. Zudem ist Corona anstrengend, mag ich auch nicht bei Männern und lustig ist Corona auch nicht. Wenn Corona ein Man wäre, gäbe es heute zumindest bei mir keinen Jahrestag zu feiern. Mit Corona als Virus ist das Einjährige allerdings auch kein Grund zu feiern.

Aus Rider wird Twix

Vor vielen Jahren gab es den Werbeslogan: „Aus Rider wird Twix, sonst ändert sich nix“. Der Schokoriegel wurde umbenannt, und man wollte die Kunden mitnehmen. An den Slogan – insbesondere den zweiten Teil – fühlte ich mich gestern am Weltfrauentag erinnert. Im Radio wurde viel über die Belastungen von Frauen während der Pandemie gesprochen und über die drei Hs: Homecare, Homeschooling und Homeoffice. Es fühlte sich an wie ein Zeitsprung, ein Déjà-vu. In meiner Jugend – und das ist schon ein wenig her – gingen wir Frauen gegen die drei Ks auf die Straße, die lange das Leben der Frauen bestimmt hatten: Kinder, Küche, Kirche. Okay, die Kirche ist jetzt dem Homeoffice gewichen und die Begriffe klingen ein wenig moderner und digitaler, aber inhaltlich bilden sie den Stand von vor 50 Jahren ab. Wie ich heute die Verbindung zu „Glück“ – dem Thema des Blogs – finden soll, ist mir schleierhaft.

Glück ist Arbeit

Quelle: @kriegundfreitag: „Schweres Geknitter“

Die letzten Wochen habe ich verstärkt an mein Motto „Glück ist Arbeit“ denken müssen. Glück steht nicht eines Tages unangekündigt vor der Tür und bittet darum, hereingelassen zu werden. Jetzt, da wir alle zu Hause bleiben sollen, kann das Glück noch viel weniger unterwegs sein und nach dem Zufallsprinzip bei den Leuten klingeln. Ich sage nur: Kontaktbeschränkungen und meist wird sowieso niemand mehr in die Wohnung gelassen. Nicole Staudinger spricht in dem Zusammenhang von einer Holschuld. Glück ist eine Hol- und keine Bringschuld. Bei einer Holschuld muss man selbst aktiv werden, sich anstrengen; q.e.d.: Glück ist Arbeit.

Ich brauch Tapetenwechsel

Fundstück

Ich habe die ereignisarme Zeit genossen, doch jetzt stelle ich fest, ich brauch Tapetenwechsel und neue Impulse. So scheint es vielen zu gehen, denn auch die Schreber sind seit einigen Wochen wieder am Harken, Buddeln und Hecke schneiden. Nun habe ich keinen Schrebergarten und muss anderweitig schauen, wie ich neue Impulse bekomme.

Ist gar nicht so einfach, denn eine weitere Online-Veranstaltung ist nicht das, wonach mein Gehirn giert. Kurzfristig dachte ich darüber nach, mir ein Tageszimmer im Hotel als Homeoffice zu mieten. Soll gar nicht so teuer sein. Das stimmt; die einfachen Hotels sind nicht so teuer, aber die Ausstattung Snackautomat, Instant-Kaffee und Wasserkocher ist auch eher dürftig. Da habe ich es zu Hause schöner. Eine Freundin schlug gestern vor, ich könne mir als Homeoffice eine Ferienwohnung an der Küste mieten. Ich bin nicht sicher, ob ich bei der Corona-Kontrolle durchkommen würde mit meiner Begründung, ich müsse unbedingt an der Küste arbeiten, und ich vermute zudem, dass ich es auch nicht richtig genießen könnte. Ist ja verboten, und ich kann auch nicht gut schwarzfahren.

Urlaub – vielleicht ist das die Lösung. Irgendwie vergesse ich noch immer, dass ich arbeite. Der Schalter „Wohnung = Freizeit“ wurde in meinem Gehirn noch nicht umgelegt. Heute morgen nahm der Gedanke an Urlaubstage und Ausflüge in meinem Kopf richtig Formen an, und ich plante schon die einzelnen Tage. Ich könnte beispielsweise durch Lübeck bummeln und an die Ostsee fahren. Kaum gedacht und gedanklich ausgeschmückt, hörte ich den Bürgermeister aus Lübeck im Radio. Ich fühlte mich ertappt. Er warnte vor dem Ansturm von Tagestouristen aus Hamburg, die jetzt zum Shoppen und Bummeln nach Lübeck kämen… Dann eben Elbstrand statt Ostsee – auch schön.

Wortfindungsstörungen

Kürzlich belauschte ich ein Gespräch. Zwei Freundinnen unterhielten sich über Wortfindungsstörungen und stellten fest, dass sie diese in letzter Zeit häufiger haben. Sie konnten sich nicht final einigen, ob dies an den Kontaktbeschränkungen oder am Alter lag.

Ich nutze bewusst jede Gelegenheit, die sich für ein Gespräch bietet. Man könnte auch sagen, ich dränge meinen Mitmenschen ein Gespräch regelrecht auf. Heute hatte ich dabei eine sehr lustige Begegnung. Auf einem großen offenen Stadtteilspielplatz waren neue große Schilder angebracht, die auf die seit Sonnabend geltende Maskenpflicht hinwiesen. In meinen Augen ein bisschen übertrieben, da es sich um eine wirklich große Fläche handelt. Ich betrachtete also die Schilder und drehte mich zu einem Mann um, der hinter mir stand und mich anlächelte. „Ich würde mir diese Eifrigkeit auch bei anderen Dingen wünschen.“ Er antwortete freundlich und zugewandt; ich verstand nicht alles – genau genommen verstand ich gar nichts -, setzte unser Gespräch aber nichtsdestotrotz fort. Als er daraufhin antwortete: „Ich habe mich sehr über Deine Nachricht gefreut“ – stutzte ich. Kannte ich ihn? Hatte ich ihm geschrieben? Wenn ja, wann? Es hat einen Augenblick gedauert, bis der Groschen fiel: Er hatte gar nicht mir freundlich zugelächelt. Er lächelte verklärt vor sich hin, weil er mit seiner neuen Flamme telefonierte und Frühlingsgefühle hatte.

Sich verbinden

Kürzlich besuchte ich einen Online-Vortrag über Positive Psychologie. Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit den Dingen, die ein Leben gut und lebenswert machen. In dem Vortrag ging es u. a. darum, wie wir gut durch den Lockdown kommen, ohne dass die Seele krank wird. Ein Vorschlag war, dass man sich verbinden soll
* mit sich selbst
* mit der Natur
* mit seinen Mitmenschen.
Ich fand den Vorschlag ausgesprochen hilfreich und tröstlich. Mit mir und mit der Natur kann ich mich auch während der geltenden Kontaktbeschränkungen verbinden und sofort loslegen. Damit sind schon 2/3 der vorgeschlagenen Möglichkeiten umsetzbar. Mit den Freunden geht es auch. Zumindest kann ich bewusst Schritte in die Richtung gehen, denn Freunde und gelebte Freundschaften machen glücklich, und Glück wird noch strahlender durch Freundschaft.