Optimismus

“Optimismus” fristet in Deutschland ein Schattendasein. Bei der Nennung von typisch deutschen Eigenschaften würde es “Optimismus” vermutlich nicht unter die Top 10 schaffen. Nun ist mir allerdings aufgefallen, dass viele Bürger sehr optimistisch sind, was das Ergebnis ihres Schnelltests angeht und häufig keinen Plan B haben, falls dieser positiv ist. Ich zähle auch dazu. Ich gehe seit einigen Wochen regelmäßig zu Schnelltests, weil ich für Besuche im Seniorenhaus einen tagesaktuellen Schnelltest benötige. Die Möglichkeit, dass dieser Test auch positiv sein könnte, existierte bis gestern nicht in meinem Kopf. Ich verhalte mich ja fast immer corona-konform mit Abstand, Maske etc. Dass dies die meisten Bürger fast immer machen und sich trotzdem inzwischen über 20.000 Menschen täglich anstecken – häufig ohne zu wissen wo – habe ich vollständig ausgeblendet.

Wie naiv dieser Optimismus ohne einen Plan B ist, wurde mir bewusst, als Mallorca-Reisende und Vertreter der örtlichen Tourismusbehörde gefragt wurden, was sie machen, wenn jemand vor dem Rückflug nach Deutschland positiv getestet wird. Die Antwort war, dass dies nicht vorkommen wird, da niemand mit dem Virus auf die Insel kommt.

Die Psychologin Gabriele Oettingen und ihr Team haben herausgefunden, dass uneingeschränkter Optimismus nicht zielführend ist. Die zugrundeliegende Auffassung, ich denke einfach nicht an Schwierigkeiten, die auftreten könnten, dann treten sie auch nicht auf, führt dazu, dass man bei dem kleinsten Problem, das sich einem in den Weg stellt, aus der Bahn geworfen wird und sein Ziel aus den Augen verliert.

Nun bin ich gespannt, wie Mallorca reagieren wird, wenn der erste Tourist nicht mitgenommen wird und auf der Insel in Quarantäne muss. Ich für meinen Teil habe für den unwahrscheinlichen Fall eines positiven Tests erst einmal meine Schokoladen-, TK- und Lebensmittelbestände aufgefüllt. Just-in-Time-Lebensmittelhaltung erschien mir ein wenig kritisch. Und wenn alles gut läuft, umso besser. Dann wird alles nach und nach aufgefuttert, bis ich wieder feststelle, dass ich eigentlich gar nichts im Hause habe…

Anstand

Laut dem Deutschen Universal Wörterbuch vom Duden-Verlag versteht man darunter “gute Sitte, schickliches Benehmen”. Dieses schickliche Benehmen scheint vielen Firmen und Mandatsträgern in den letzten 12 Monaten abhanden gekommen zu sein. Langsam und unspektakulär kam es abhanden, wie in manchen Liebesbeziehungen die Liebe abhanden kommt.

Anders kann ich es mir nicht erklären, dass gleich mehrere Politiker Amt und eigenes Portemonnaie so verquicken, als gehörten sie quasi per Geburtsrecht zusammen, dass Verträge über Liefermengen nicht eingehalten werden oder Absprachen über Notbremsungen. Einige Bundesländer finden in der Not dann doch nicht die Bremse. Auch passt in diesen Zusammenhang, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Wir sollen nicht verreisen, aber die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Strenz fliegt mit ihrem Ehemann vermutlich zur Erholung nach Kuba. Wäre nie rausgekommen, wäre sie nicht auf dem Rückflug kollabiert und anschließend gestorben. Auch Jens Spahn hat sich auf seiner 9999-Euro-Spendenparty mit deutlich mehr Menschen getroffen, als ich Geburtstagsgäste einladen durfte.

Ich beobachte, dass mich dieser fehlende Anstand bei Menschen, die von Steuergeldern bezahlt werden, ärgert und dass es mir schwerfällt, bei diesem Thema den Bogen zum “Glück” zu bekommen. Ich versuche es einmal so: Was für ein Glück, dass diese selektiven und rein subjektiven Beobachtungen fehlenden Anstands der Vergangenheit angehören und dies zukünftig nicht mehr passieren wird. Denn zumindest die CDU-Abgeordneten haben kürzlich alle ein “Weiße-Weste-Papier” unterschrieben. Erinnert mich ein wenig an den Persilschein.

“Was wahrer Anstand ist, weiß man erst, wenn er ganz offensichtlich fehlt. Wahrer Anstand ist nicht nur eine Frage der Form, sondern eine Voraussetzung für ein redliches Leben.” (Miroslav Holub)

Osterruhe gekippt

Ich bin ein wenig enttäuscht. Ich hatte gerade begonnen mit der Vorfreude auf die Osterruhe, da wurde sie auch schon wieder einkassiert. Wenn ich die kommenden Tage bei mir feststelle, dass die Enttäuschung deutlich länger anhält als die Vorfreude, nehme ich mir Gründonnerstag einfach einen Tag Urlaub und mache meine eigene Osterruhe. Das fällt dann in die Rubrik: Selbstfürsorge.

Interessant fand ich allerdings die Argumentation, mit der die Osterruhe gekippt wurde. Es wurde nicht die Wirkung eines harten Lockdowns (das wäre die Osterruhe ja gewesen) in Frage gestellt, sondern man stellte fest, dass es nicht möglich sei, die Osterruhe so schnell umzusetzen. Es gäbe zu viele ungeklärte Dinge bei der praktischen Umsetzung. Wie wird der Tag abgerechnet für Menschen, die arbeiten, und für Menschen, die nicht arbeiten; wie wird die Lieferkette von Schweinefleisch und Babynahrung gewährleistet; fährt die U2 im 10-Minuten-Takt oder im 20-Minuten-Takt. Fragen über Fragen, die erst einmal juristisch umfassend geklärt werden müssen, bevor man handeln kann. Wurde nicht genau dies – übertriebene Administration, die alles blockiert – die letzten Wochen ständig und von allen bemerkelt?

Geben ist seliger als Nehmen

So steht es schon in der Bibel. Inzwischen weiß man, dass sich für ein glückliches Leben mehr Dinge auf der Geben- als auf Nehmenseite ansammeln sollten. Am Wochenende wurde ich auf eine Möglichkeit hingewiesen, wie ich etwas für meine Gebenseite machen und gleichzeitig Musikern helfen kann: Man wünscht sich einfach ihre Lieder im Radio. Häufig werden diese dann gespielt; eventuell freut man sich selbst, weil man die Lieder ja meist auch mag, und über die GEMA erhält die Künstlerin dann Tantiemen. Habe mir gleich bei zwei Radiostationen mein augenblickliches Lieblingslied gewünscht: Marcella Rockefeller “Original” und damit zwei Punkte auf meinem Gebenkonto eingezahlt.

Wochenmarkt

Vor einigen Jahren waren die Hamburger Wochenmärkte kurz vor dem Aus. Niemand ging mehr Sonnabendmorgen oder in der Woche auf den Markt, um Obst und Gemüse zu kaufen. Das hat sich grundlegend geändert. Seit Corona und Homeoffice kaufen die Leute bevorzugt draußen und regional, unverpackt und bio. Hinzu kommt, dass die abendliche Zerstreuung am Freitag stark eingeschränkt ist. Alles zusammen hat zu einem wahren Boom meines kleinen Wochenmarktes geführt. Sonnabendvormittag bilden sich lange Schlangen vor den einzelnen Ständen. Das scheint allerdings niemanden zu stören. Der Wochenmarkt ist wieder zu einem Treffpunkt geworden. Wie in den Markthallen in Spanien verweilen die Menschen nach dem Einkauf auf einen Kaffee und ein Hörnchen, treffen Freunde und reden. In Folge hat sich auch das Angebot geändert: Es gibt zahlreiche “Frühstücksstände” mit Kaffee und Gebäck; es gibt Fischbrötchen und internationales Fingerfood. Eine Mischung aus Außengastronomie und Picknick. Nur die gute alte Wurstbude mit Toastbrot-Dreiecken, fettigen Würstchen und Kaffee von der Warmhalteplatte, die früher zu jedem Wochenmarkt gehörte, hat den Wandel nicht überlebt. Wurstbuden sind weg. Vielleicht kommt ja irgendwann eine Veggi-Wurstbude mit Vollkornbrötchen und Bio-Limo. Wundern würde es mich nicht.

Vulnerabel

Über Nacht wurde ich “vulnerabel”. Ich schwöre, ich habe nichts getan und konnte mich auch nicht darauf vorbereiten wie z. B. auf Weihnachten, das manchmal auch über Nacht kommt. Heute wurde im Radio von der vulnerablen Bevölkerungsgruppe über 55 gesprochen. Ich sage Euch, das war kein schönes Gefühl.

Da “Tun” ein anderes Wort für Glück ist und ich nicht wusste, ob meinem Hausarzt bewusst ist, dass ich über Nacht vulnerabel geworden bin, habe ich ihm heute gleich offiziell und schriftlich mein Interesse an einer Impfung bekundet. Könnte ja sein, dass irgendwann so viel Impfstoff da ist, der dann gar nicht verimpft werden kann, und mein Hausarzt nicht weiß, wohin damit. Dieses Horrorszenario mit dem vielen Impfstoff wird ja auch gern von der Politik dargestellt. Dann könnte ich einspringen und die Situation retten: Felicia die Retterin.

Urlaub :-)

Nachdem ich ein wenig von der Eintönigkeit meines Alltags gelangweilt war und mich nach Abwechslung dürstete, habe ich kurzentschlossen Urlaub genommen. Was soll der Geiz bei den Urlaubstagen. Ich kann mir auch großzügig eine Woche Urlaub gönnen. Und was soll ich sagen? Es ist großartig! Es passiert gar nicht viel, aber die Tage unterscheiden sich vom Homeoffice-Alltag. Ich habe Dinge gemacht, die ich “immer schon” machen wollte, wofür mir dann aber im Alltag die Energie fehlte. Und ich hatte viele erste Male. Das Gehirn kommt gern mal aus dem Trott heraus, und Dinge, die neu sind, führen dazu, dass sich Nervenzellen neu verknüpfen müssen. Belohnt wird dies häufig mit einem Glücksgefühl. Dieses Phänomen, das auch wissenschaftlich untersucht ist, konnte ich bereits bei meinem Glückstagebuch beobachten. Dinge, die ich erstmals machte, fanden sich abends mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Liste der Glücksmomente des Tages. Und wie zum Ende eines jeden Urlaubs habe ich viele Ideen, was ich noch alles unternehmen könnte. Der Unterschied ist allerdings, dass ich nicht auf die nächste Reise warten muss, sondern die Ideen auch am Wochenende umsetzen kann oder mir dafür einfach einen Urlaubstag gönne.

Nur Mut…

Eine unbekannte Künstlerin hängt seit einigen Monaten Teller-Botschaften im Stadtteil auf. Mal geht es darauf um Selbstliebe, manchmal ruft sie konspirativ auf, Banden zu bilden oder wie hier Mut zu haben. Meistens handelt es sich um Einzelstücke mit individuellen Botschaften, doch mit den Mut-Botschaften hat sie ein ganzes Service beschrieben und die Teller an zahlreichen Ecken im Stadtteil aufgehängt. Vielleicht damit die Botschaft besser wirkt…

Wenn Corona ein Mann wäre…

Früher spielten wir auf Zugfahrten oder wenn wir warteten (also bevor es Handys gab) ein Frage-und-Antwort-Spiel: “Wenn die gesuchte Person eine Blume wäre, welche Blume wäre sie dann?” oder “wenn die gesuchte Person ein Buch wäre, welches Buch wäre sie dann?” Die Frage-Kategorien ließen sich in Abhängigkeit vom Intellekt der Beteiligten und der Nähe zur Küchentisch-Psychologie beliebig erweitern.

Heute morgen hörte ich im Radio, dass der Impfstart durch die Hausärzte – ohne dass über Nacht etwas von Bedeutung passiert war – um 2 Wochen nach hinten verschoben wurde. Ich war enttäuscht und dachte bei mir, wenn Corona ein Mann wäre, hätte ich ihn schon lange auf den Mond geschossen. So häufig war ich in den letzten Monaten in Verbindung mit Corona enttäuscht worden. Zudem ist Corona anstrengend, mag ich auch nicht bei Männern und lustig ist Corona auch nicht. Wenn Corona ein Man wäre, gäbe es heute zumindest bei mir keinen Jahrestag zu feiern. Mit Corona als Virus ist das Einjährige allerdings auch kein Grund zu feiern.

Aus Rider wird Twix

Vor vielen Jahren gab es den Werbeslogan: “Aus Rider wird Twix, sonst ändert sich nix”. Der Schokoriegel wurde umbenannt, und man wollte die Kunden mitnehmen. An den Slogan – insbesondere den zweiten Teil – fühlte ich mich gestern am Weltfrauentag erinnert. Im Radio wurde viel über die Belastungen von Frauen während der Pandemie gesprochen und über die drei Hs: Homecare, Homeschooling und Homeoffice. Es fühlte sich an wie ein Zeitsprung, ein Déjà-vu. In meiner Jugend – und das ist schon ein wenig her – gingen wir Frauen gegen die drei Ks auf die Straße, die lange das Leben der Frauen bestimmt hatten: Kinder, Küche, Kirche. Okay, die Kirche ist jetzt dem Homeoffice gewichen und die Begriffe klingen ein wenig moderner und digitaler, aber inhaltlich bilden sie den Stand von vor 50 Jahren ab. Wie ich heute die Verbindung zu “Glück” – dem Thema des Blogs – finden soll, ist mir schleierhaft.