“Wenn Du nicht weißt, wo Du hinwillst,

ist es egal, welchen Weg du einschlägst.” Alice im Wunderland.

In der Managementliteratur geht es viel um Ziele, um Zielmanagement, Zielvereinbarung und Zieldefinition. Schon beim Überfliegen der Google-Einträge wird klar, welchen zentralen Stellenwert Ziele haben. In der Politik scheint diese Erkenntnis allerdings in Vergessenheit geraten zu sein. Dass es schwer ist, einen festen Zeitplan in der Pandemie aufzustellen, kann ich nachvollziehen; dafür sind zu viele Unbekannte im Spiel. Aber dass es keine klaren Ziele gibt und die wenigen Ziele ständig neu definiert werden, macht es mir persönlich im Augenblick schwer, die Verordnungen mit Enthusiasmus zu vertreten.

Innerhalb von nicht einmal einer Woche wurde aus dem Ziel 50 das neue Ziel 35 und als ich mich gerade gedanklich darauf eingelassen hatte, hieß es schon aus Sachsen: Osterurlaub fällt aus. Auf Basis welcher neuen Erkenntnisse Herr Kretschmer zu dieser Aussage gekommen ist, habe ich nicht mehr gelesen. Ich kann nur für mich feststellen, dass dieses ständige Nachbessern bei den Zielen nicht förderlich ist. Meine Selbstwirksamkeit wird untergraben, und Selbstwirksamkeit ist eine wichtige Säule für Glück und Zufriedenheit. Bei mir schleicht sich der Gedanke ein, es ist egal, wie sehr ich mich abzapple, es kommt doch wieder etwas Neues obendrauf.

Im Gegensatz dazu hat Australien ein klares Ziel: Null Corona. Vermutlich fällt es den Bewohnern von Melbourne im Augenblick auch nicht leicht, die nächsten Tage konsequent zu Hause zu bleiben und niemanden zu treffen, aber die wissen zumindest, woran sie sind und können mitarbeiten, das Ziel zu erreichen. Ohne Ziel kommt man nie an.

Bei der Hotline durchgekommen…

Gestern bin ich bei der Hotline durchgekommen und bekam einen Termin – einen Friseurtermin. Das Durchkommen dauerte, und der früheste Termin war der 5. März. Ich werde mit Interesse beobachten, wie lange es dauert, bis die Hamburger wieder frisiert sind. Wenn die Mützen bald wieder abgelegt werden, kann man es ja gut sehen.

Friseure dürfen am 1. März aufmachen, weil sie uns und unserer Seele guttun – mit ihrer Kummerkastenfunktion und ihrer Dienstleistung – und natürlich auch, weil sie ein gutes Hygienekonzept haben. Doch das behaupten alle von sich, vielleicht mit Ausnahme der Schulen, denn ihr Konzept “Lüften” ist witterungsbedingt etwas anfällig.

Da man bei ca. 80% der Fälle nicht weiß, wo sich die Neuinfizierten angesteckt haben, steht die Aussage des guten Hygienekonzepts in öffentlichen Verkehrsmitteln, Läden und Unternehmen im Raum und kann nicht widerlegt werden, auch darum der verlängerte Lockdown nach dem Gießkannenprinzip. Wenn wir möglichst viel schließen, wird das richtige hoffentlich dabei sein. Ich frage mich, weshalb Forscher:innen an diesem Punkt noch nicht weiter sind. Das ist doch eine Forschungsfrage von weltweitem Interesse. Doch vermutlich fehlt genau bei dieser Frage das konkrete wirtschaftliche Interesse. Mit so einer Erkenntnis ließen sich nämlich keine direkten monetären Gewinne erzielen.

Lächeln-to-go

Fundstück

Die Abreisszettel gingen schneller weg, als Telefonnummern von Wohnungsangeboten in den angesagten Hamburger Stadtteilen. Ich habe daraufhin überlegt, ob ich Lächeln-to-go am Wochenende auf dem Wochenmarkt anbiete. Fällt ja genaugenommen in meine Kernkompetenz. Und wenn es gut läuft, könnte ich einen Online-Shop aufmachen und Lächeln innerdeutsch verschicken. Der Markt dafür ist auf alle Fälle da.

Lach-Hunger

Ich habe Lach-Hunger. Alles andere kommt im Lockdown mehr oder weniger zuverlässig ins Haus: Bestellungen, Essen, die Kolleg:innen, Informationen und Kultur, auch Sport, wenn man möchte – nur das Lachen bleibt auf der Strecke.

Lachen benötigt einen Resonanzraum, dann ist es ansteckend. Selbst Menschen, die die Ausgangssituation gar nicht lustig fanden, lachen mit. Bei virtuellen Treffen, bei denen meist alle außer dem Redenden stumm geschaltet sind, geht dieser Raum für schnelle kleine Bemerkungen und non-verbale Kommunikation verloren und sollte doch einmal eine Person still vor dem Computer vor sich hin lachen, ist der Abstand zu den anderen häufig zu groß, als dass es zu einer Ansteckung kommen kann. Wissen wir ja: Abstand verhindert Ansteckung. Eine Folge: Es wird nicht mehr gelacht. Ich hoffe, wir verlernen das Lachen in den kommenden Monaten nicht, denn beim Lachen ist es wie bei vielen anderen Dingen: Use it or lose it.

Maria Lichtmess

Heute ist Maria Lichtmess. Bis vor wenigen Jahren konnte ich mit dem Feiertag wenig anfangen. Doch dann zitierte ein Freund die Bauernregel “An Lichtmess könne die Herrn bei Tag ess”, die darauf hinweist, dass die Tage Anfang Februar schon deutlich länger geworden sind. Seitdem nehme ich diesen Tag jedes Jahr bewusst wahr, denn längere Tage und mehr Licht vertreiben in der Regel auch den Winter-Blues. Die Produktion des Glückshormons Serotonin steigt und die des Schlafhormons Melatonin sinkt. Wir fühlen uns aktiver und haben bessere Laune. Das sind doch gute Aussichten.

Meine Mutter hat bereits Frühlingsgefühle. Sie flüsterte mir letzte Woche am Telefon zu, sie habe einen Verehrer. Der stelle ihr immer Blumen auf das Fensterbrett. Dass ich ihr die Blumen hingestellt hatte, hatte sie vergessen, und ich habe den Irrtum nicht aufgeklärt.

Die Gesundheitsämter sind überfordert.

Diesen Satz haben wir die letzten Wochen fast täglich im Radio gehört. Manchmal hieß es in den Nachrichten auch: Die Gesundheitsämter kämen bei einer so hohen Inzidenz nicht hinterher.

Was “nicht hinterherkommen” bedeutet, begriff ich gestern, als ich drei Briefe vom Gesundheitsamt aus dem Briefkasten fischte. Zur Erinnerung: Seit dem 26. Dezember gibt es einen Covid-Verdacht in dem Seniorenhaus meiner Eltern, und seit Mitte Januar ist es ein Hotspot mit sehr vielen Erkrankten. Einer dieser Briefe vom 19. Januar informierte mich, dass mein Vater Kontakt zu einer erkrankten Person hatte und sich bitte vom 2. Januar bis 16. Januar in häusliche Quarantäne begeben soll. Abgesehen davon, dass das ganze Haus seit Weihnachten unter Quarantäne steht, habe ich mich gefragt, welchen Sinn es macht, am 19. Januar einen Brief zu schreiben, man möge sich bis einschließlich 16. Januar in Quarantäne begeben.

Früher hat man “Aktionismus” dazu gesagt. Wir haben ja etwas gemacht, aber wir kamen nicht hinterher. Vielleicht muss man dann auch irgendwann nicht mehr alles chronologisch nacharbeiten, sondern einfach einen beherzten Cut machen. Wenn man jeden Tag so viele aktuelle Fälle bearbeitet, wie man schafft, hat man mehr erreicht, als wenn man sich mit Fällen beschäftigt, die 2 Wochen zurückliegen. Da ist das Kind, was die Ansteckungen betrifft, nämlich bereits in den Brunnen gefallen.

Etwas ähnlich Absurdes las ich heute vom Kreis Birkenfeld. Birkenfeld hat eine Inzidenz von über 200. Seit heute gilt dort eine nächtliche Ausgangssperre. Eine der Hauptursachen für diesen hohen Inzidenz-Wert liegt allerdings in einem Ausbruchgeschehen in einem Altersheim. Hat man Angst die Alten brechen nachts aus ihrem Altersheim aus oder welchen Sinn soll diese Ausgangssperre haben?

Drei positive Nachrichten zum Schluss, sozusagen meine Lichtblicke des Wochenendes: Sonnabend bestes Winterwetter, Sonntag bestes Winterwetter und Montag ist auch noch Rodelwetter.

Poesiealbum

Früher gab es Poesiealben. Das waren hübsche Bücher mit leeren Seiten, in die Freundinnen (meist waren es Mädchen) eine Lebensweisheit schrieben und mehr oder weniger kunstvoll dekorierten, damit man sich später an sie erinnerte (an die Lebensweisheiten und an die Mädchen). Gestern schickte mir eine Freundin einen Eintrag aus ihrem Poesiealbum.

Willst Du glücklich sein im Leben, 
trage bei zu andrer Glück,
denn die Freude, die wir geben,
kehrt ins eigene Herz zurück.