Glück ist Arbeit

Quelle: @kriegundfreitag: “Schweres Geknitter”

Die letzten Wochen habe ich verstärkt an mein Motto “Glück ist Arbeit” denken müssen. Glück steht nicht eines Tages unangekündigt vor der Tür und bittet darum, hereingelassen zu werden. Jetzt, da wir alle zu Hause bleiben sollen, kann das Glück noch viel weniger unterwegs sein und nach dem Zufallsprinzip bei den Leuten klingeln. Ich sage nur: Kontaktbeschränkungen und meist wird sowieso niemand mehr in die Wohnung gelassen. Nicole Staudinger spricht in dem Zusammenhang von einer Holschuld. Glück ist eine Hol- und keine Bringschuld. Bei einer Holschuld muss man selbst aktiv werden, sich anstrengen; q.e.d.: Glück ist Arbeit.

Ich brauch Tapetenwechsel

Fundstück

Ich habe die ereignisarme Zeit genossen, doch jetzt stelle ich fest, ich brauch Tapetenwechsel und neue Impulse. So scheint es vielen zu gehen, denn auch die Schreber sind seit einigen Wochen wieder am Harken, Buddeln und Hecke schneiden. Nun habe ich keinen Schrebergarten und muss anderweitig schauen, wie ich neue Impulse bekomme.

Ist gar nicht so einfach, denn eine weitere Online-Veranstaltung ist nicht das, wonach mein Gehirn giert. Kurzfristig dachte ich darüber nach, mir ein Tageszimmer im Hotel als Homeoffice zu mieten. Soll gar nicht so teuer sein. Das stimmt; die einfachen Hotels sind nicht so teuer, aber die Ausstattung Snackautomat, Instant-Kaffee und Wasserkocher ist auch eher dürftig. Da habe ich es zu Hause schöner. Eine Freundin schlug gestern vor, ich könne mir als Homeoffice eine Ferienwohnung an der Küste mieten. Ich bin nicht sicher, ob ich bei der Corona-Kontrolle durchkommen würde mit meiner Begründung, ich müsse unbedingt an der Küste arbeiten, und ich vermute zudem, dass ich es auch nicht richtig genießen könnte. Ist ja verboten, und ich kann auch nicht gut schwarzfahren.

Urlaub – vielleicht ist das die Lösung. Irgendwie vergesse ich noch immer, dass ich arbeite. Der Schalter “Wohnung = Freizeit” wurde in meinem Gehirn noch nicht umgelegt. Heute morgen nahm der Gedanke an Urlaubstage und Ausflüge in meinem Kopf richtig Formen an, und ich plante schon die einzelnen Tage. Ich könnte beispielsweise durch Lübeck bummeln und an die Ostsee fahren. Kaum gedacht und gedanklich ausgeschmückt, hörte ich den Bürgermeister aus Lübeck im Radio. Ich fühlte mich ertappt. Er warnte vor dem Ansturm von Tagestouristen aus Hamburg, die jetzt zum Shoppen und Bummeln nach Lübeck kämen… Dann eben Elbstrand statt Ostsee – auch schön.

Wortfindungsstörungen

Kürzlich belauschte ich ein Gespräch. Zwei Freundinnen unterhielten sich über Wortfindungsstörungen und stellten fest, dass sie diese in letzter Zeit häufiger haben. Sie konnten sich nicht final einigen, ob dies an den Kontaktbeschränkungen oder am Alter lag.

Ich nutze bewusst jede Gelegenheit, die sich für ein Gespräch bietet. Man könnte auch sagen, ich dränge meinen Mitmenschen ein Gespräch regelrecht auf. Heute hatte ich dabei eine sehr lustige Begegnung. Auf einem großen offenen Stadtteilspielplatz waren neue große Schilder angebracht, die auf die seit Sonnabend geltende Maskenpflicht hinwiesen. In meinen Augen ein bisschen übertrieben, da es sich um eine wirklich große Fläche handelt. Ich betrachtete also die Schilder und drehte mich zu einem Mann um, der hinter mir stand und mich anlächelte. “Ich würde mir diese Eifrigkeit auch bei anderen Dingen wünschen.” Er antwortete freundlich und zugewandt; ich verstand nicht alles – genau genommen verstand ich gar nichts -, setzte unser Gespräch aber nichtsdestotrotz fort. Als er daraufhin antwortete: “Ich habe mich sehr über Deine Nachricht gefreut” – stutzte ich. Kannte ich ihn? Hatte ich ihm geschrieben? Wenn ja, wann? Es hat einen Augenblick gedauert, bis der Groschen fiel: Er hatte gar nicht mir freundlich zugelächelt. Er lächelte verklärt vor sich hin, weil er mit seiner neuen Flamme telefonierte und Frühlingsgefühle hatte.

Sich verbinden

Kürzlich besuchte ich einen Online-Vortrag über Positive Psychologie. Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit den Dingen, die ein Leben gut und lebenswert machen. In dem Vortrag ging es u. a. darum, wie wir gut durch den Lockdown kommen, ohne dass die Seele krank wird. Ein Vorschlag war, dass man sich verbinden soll
* mit sich selbst
* mit der Natur
* mit seinen Mitmenschen.
Ich fand den Vorschlag ausgesprochen hilfreich und tröstlich. Mit mir und mit der Natur kann ich mich auch während der geltenden Kontaktbeschränkungen verbinden und sofort loslegen. Damit sind schon 2/3 der vorgeschlagenen Möglichkeiten umsetzbar. Mit den Freunden geht es auch. Zumindest kann ich bewusst Schritte in die Richtung gehen, denn Freunde und gelebte Freundschaften machen glücklich, und Glück wird noch strahlender durch Freundschaft.

Witz des Tages

Heute Nachmittag traf ich meine Nachbarin vor der Haustür. Sie erzählte mir, dass die Familie nächste Woche Urlaub hat. Auf meine Frage, was sie denn im Urlaub machen wollen, antwortete sie strahlend: “Einfach mal zu Hause abhängen.” So gesehen habe ich seit einem Jahr Urlaub.

Ab sofort gelten eingeschränkte Öffnungszeiten

Freitag saß ich im Eingangsbereich des Seniorenhauses und wartete 20 Minuten auf das Ergebnis meines Schnelltests. 20 Minuten, die ein anderer Wartender nutzte, mir haarklein seine Bemühungen zu schildern, telefonisch einen Impftermin zu bekommen. Ich versuchte mehrmals, die detailreiche Chronologie beginnend am 11. Januar zu unterbrechen und so zu beenden – ohne Erfolg. Ich weiß, dass es schwer ist, einen Termin im Impfzentrum zu bekommen. Ich höre Nachrichten, und das Wiederkäuen von Informationen, die man bereits in den Nachrichten gehört hat, geht mir auf die Nerven.

Abends sah ich Nicole Staudinger im Fernsehen. Sie berichtete, dass sie für Gemecker, Genöle und Frust in Verbindung mit Corona nur noch von 11.00 – 13.00 Uhr zur Verfügung steht. Das werde ich jetzt auch machen. Zukünftig werde ich in so einer Situation eine Ich-Botschaft senden: “Mir bekommt die ständige Beschäftigung damit nicht gut, aber Sie können mir morgen ab 11.00 Uhr davon erzählen.” Zack und dann zücke ich meine Visitenkarte und das Thema ist vom Tisch. Vielleicht könnte ich auch Corona-Gemecker-Fasten. Dann hätte ich das Problem bis Ostern gelöst. Das hätte zudem den Vorteil, dass ich mich selbst im Blick und an den Riemen reißen muss und andere gar nicht erst Öffnungszeiten einführen müssen.

Post für mich

Vorgestern fand sich in meinem Briefkasten ein handgeschriebener Briefumschlag von einem unbekannten Absender. Eine mir unbekannte Frau aus dem Stadtteil schickte mir aufmunternde Gedanken in Zeiten der Pandemie. Wie umsichtig. Ich kann gute Gedanken immer gut gebrauchen. Weiter unten im Brief stellte sich dann heraus, dass die Aktion nicht ganz uneigennützig war. Man wollte mich für die Zeugen Jehovas interessieren.

Gestern fand ich einen großen Umschlag aus Büttenpapier in meinem Briefkasten. Absender: Die Bundeskanzlerin. Sie hat sich für meine netten Zeilen zu Weihnachten bedankt und wünscht mir Glück und Zuversicht.

Jetzt bin ich ganz gespannt, was ich gleich im Briefkasten vorfinde…