Was gilt denn nun wo?

Bis vor wenigen Wochen war ich immer bestens informiert, welche Corona-Regeln ich zu beachten hatte. Wenn sich wieder einmal Menschen im Fernsehen beschwerten, sie wüssten gar nicht mehr, was wo gilt, hatte ich dafür kein Verständnis. Schließlich muss man ja nicht wissen, welche Regeln anderswo gelten, sondern nur über die Regeln vor Ort informiert sein.

Ich kann nicht mehr genau sagen, an welchem Punkt ich den Überblick verloren habe. Vermutlich als an einigen Plätzen und auf einigen Straßen in Hamburg die Maskenpflicht eingeführt wurde. Orte und Zeiten änderten sich mehrmals, sodass selbst die Polizei zeitweise nicht mehr wusste, was wo galt. Als wir dann vor zwei Monaten über 100 kamen, kamen die Hamburg-Regeln hinzu und kürzlich die Bundesnotbremse, die bundesweit einheitlich für alle Orte mit einer Inzidenz über 100 gelten soll, allerdings nur eingeschränkt für Hamburg, denn hier gilt immer die strengere Regel von beiden. Beispielsweise beginnt die abendliche Sperrstunde nach den Hamburg-Regeln um 21.00 Uhr; deutschlandweit beginnt sie aber erst um 22.00 Uhr. In so einem Fall gilt in Hamburg weiterhin 21.00 Uhr, denn dies ist die striktere Regel. Nach der Bundesnotbremse darf man abends nach 22.00 Uhr nicht mehr allein Joggen. Das war vor in Kraft treten der Bundesnotbremse in Hamburg noch erlaubt (auch Gassi gehen mit dem Hund ). Ab sofort halten wir uns aber an die Bundesnotbremse und sind vom Joggen um 21.00 Uhr zurück. Auch in diesem Fall gilt die strengere Regel.

Bei den Lockerungen deutet sich an, dass es ähnlich kompliziert werden könnte. Das RKI bescheinigt Hamburg seit einigen Tagen einen Inzidenzwert unter 100. Doch der in Hamburg selbst errechnete Inzidenzwert lag immer noch über 100 (= keine Lockerungen). Seit heute sind nun beide Werte unter 100, und der Bürgermeister hat schon einmal angedeutet, dass die erste große Lockerung “Sport im Freien” sein wird. Andere Kreise schieben bei Inzidenzwerten unter 100 die Stühle vor die Restaurants; wir machen “Sport im Freien” und dürfen nach Voranmeldung in den Botanischen Garten – allerdings nur mit tagesaktuellem negativen Schnelltest und medizinischer Maske.

Vielleicht hast Du auch einfach zu wenig

Als ich meine Mutter heute Vormittag anrief, berichtete sie mir ganz aufgeregt, dass sie sich umziehen wollte und keinen BH fand. Der BH war weg; sie vermutete, dass jemand ihn genommen habe. Um sie zu beruhigen, sagte ich, dass wir morgen bei meinem Besuch gemeinsam suchen werden und dass ich ein Maßband mitbringen werde, um den Brustumfang auszumessen. Wenn ich die Größe wüsste, könnte ich ja noch zwei BHs nachkaufen. Abschließend sagte ich: “Vielleicht hast Du auch einfach zu wenig.” Daraufhin antwortete meine Mutter entrüstet: “Nein, zu wenig habe ich nicht. Der Busen hängt ja…”

Ich bin ein Impfling

Der Besuch im Impfzentrum und der Piks zählen zu den Highlights meiner Woche. Nachdem ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, in absehbarer Zeit geimpft zu werden – den Versprechungen der Politiker mochte ich nicht mehr trauen -, kam quasi über Nacht das Impfangebot für Hamburger 60+, und ich hatte nächsten Tag meinen Termin.

Ich war begeistert. Mit mir waren dort all die anderen Hamburger 60+, die vermutlich auch über die letzten Wochen beobachtet hatten, dass wir beim Impfen in der Priogruppe 2 feststeckten und nicht sichtbar weiterkamen. Somit war die Stimmung unter dem Impflingen ausgezeichnet. Und dann waren im Impfzentrum sehr viele, sehr nette Mitarbeiter:innen. Die eine desinfizierte die Absperrungen, die nächste bot einen Stuhl an; ich guckte an einem Punkt etwas verloren, sofort war jemand da und fragte, ob ich Hilfe benötigte. Die waren vermutlich noch die Impflinge 75+ gewöhnt 😉 . Chapeau, was die überwiegend jungen Menschen im Impfzentrum leisten. Sie sind den ganzen Tag in den Messehallen ohne Tageslicht und arbeiten mit FFP2-Maske, und ich gehe stark davon aus, dass bei vielen von ihnen “im Impfzentrum arbeiten” die Alternative zum ursprünglich geplanten Work & Travel-Jahr o. ä. war.

Noch kurz für alle, die es interessiert: Ich wurde mit AstraZeneca geimpft und ja, ich hatte Impfreaktionen mit Schüttelfrost und leichten Gliederschmerzen. Nach 24 Stunden war aber alles vorbei.

Impfnebenwirkungen

Ich wurde von mehreren Leserinnen des Blogs angesprochen, ob alles okay ist. Ja, es ist alles okay. Ich bin an einer groß angelegten Feldstudie zum Thema Glück beteiligt, die meine volle Aufmerksamkeit erfordert, sodass das Tagebuch ein wenig ins Hintertreffen geriet. Und um ehrlich zu sein: So viel tut sich im Augenblick ja auch nicht. Die Zahlen gehen rauf, die Stimmung vielerorts runter, und es wird gestritten, wie man die Pandemie am besten bekämpft. Darüber wird mancherorts das Handeln vergessen.

Heute wurden 24.000 Impftermine für Hamburger Ü60 vergeben. Die Nachricht ging viral; erreichte mich 10.37 Uhr und 10.59 Uhr hatte ich meine Termine gebucht. Ich war echt aufgeregt; mein Blutdruck stieg dermaßen an, dass ich vermutlich mit diesen Werten auch einen Termin in der Priogruppe zwei bei den Risikopatienten bekommen hätte. Ich verbuche es unter Impfnebenwirkungen.

Viele Menschen, denen ich die Nachricht weitergeleitet hatte, konnten auch Termine für sich buchen und die Nachricht wiederum an ihre Freunde weiterleiten. Heute Abend fand ich daher viele dankbare und glückliche Nachrichten in meinen Postfächern. Dies sind dann die schönen Impfnebenwirkungen.

Oxymoron

Ein Oxymoron ist eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird (Quelle: Wikipedia).

Gestern in den Nachrichten hörte ich ein schönes Beispiel für ein Oxymoron. Armin Laschet sprach von “einem kurzen und harten Brückenlockdown bis zu dem Zeitpunkt, an dem viele Menschen geimpft sind.”

Ich bin in puncto Impfen und Zeitplanung inzwischen eher skeptisch und vermute, dass selbst deutsche Ingenieure so lange Brücken nicht bauen können.

Osterbaum – Ostern und Weihnachten werden immer ähnlicher.

Glückstage

Am 20. März war Weltglückstag. Die Grundschule um die Ecke hatte gleich eine ganze Projektwoche zum Thema Glück. Jetzt haben sie die Arbeitsergebnisse in einem Schaukasten ausgestellt. Glück ist für sie ein “chices” Eis oder mit dem Bruder zu lachen. Besonders gut gefiel mir die Aussage von Rafael, weil man daran so gut sieht, wie sehr sich die Perspektive in den letzten 12 Monaten geändert hat und wie wichtig Schule für Kinder ist.

Aprilscherz?

Eben hörte ich im Radio, dass ein kleines norwegisches Reiseunternehmen Impfreisen von Deutschland nach Russland anbietet und um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, ob es stimmt oder nicht. Im letzten Sommer hatten die meisten von uns für Sputnik V nur ein müdes, leicht überhebliches Lächeln übrig. Inzwischen hat das Vakzin Vertrauen gewonnen, sodass auch die EU Interesse angemeldet hat. Und das Vakzin ist verfügbar. Beides hat den findigen Reiseunternehmer jetzt auf die Idee gebracht, Impfreisen nach Russland anzubieten. Es gibt zwei Nachteile: Die Reisen sind nicht ganz billig, und man muss hinterher in Quarantäne. Aber letzteres muss man auch, wenn man in Frankreich war. Das Verrückte an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass ich mir unsicher bin, ob es ein Aprilscherz ist oder nicht. Wie sagte meine Mutter kürzlich so treffen: “Die Welt ist verrückt geworden. Noch verrückter als ich.”

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
Er kam, er kam ja immer noch,
die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum,
er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei;
es bangt und sorgt: Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

(Theodor Fontane)