Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich!

Ich sage heute „Adios Corona“ und wende mich wieder all jenen Dingen zu, die die letzten Monate ins Hintertreffen, im schlimmsten Fall sogar in Vergessenheit gerieten oder über Monate einfach nicht möglich waren. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sie wieder zu entdecken und die Energie in eine positive Richtung zu lenken. Corona und die Pandemie werde ich nicht vermissen und hoffe, ich werde mich nie zu einer verklärenden Bemerkung über das Lebensgefühl in diesen Monaten hinreißen lassen.

War schön mit Euch. Vielen Dank für Eure Kommentare und den Austausch.

Eure Felicia

Rückgang des Inzidenzwertes – ein Erklärungsversuch

Viele wundern sich über den rasanten Rückgang des Inzidenzwertes in den letzten Wochen. Peter Tschentscher weist in diesem Zusammenhang gern auf die Wirksamkeit der Ausgangssperre hin; andere meinen, es läge an einem Gemenge aus Impfquote, Zahl der Genesenen, Schulschließungen und dem Lockdown allgemein. In diesem Zusammenhang wird auch gern der saisonale Effekt angeführt. Wärmere Temperaturen machen es dem Virus schwerer; auch Grippeviren verlieren im Frühjahr ihre Kraft. Letzteres Argument wird gern mit dem Verweis auf wärmere Länder und die tatsächlich im April und Mai gemessenen Temperaturen entkräftet, die nur minimal über den Temperaturen zu Weihnachten lagen.

Auch ich bin der Meinung, es liegt am Wetter. Seit Anfang April ist das Wetter in Hamburg grottenschlecht. Es ist kalt und ungemütlich, und der Regen fällt wolkenbruchartig, peitscht einem als Schauer ins Gesicht oder es nieselt über Stunden. Und selbst wenn an ausgesuchten Tagen 20 Grad und Sonnenschein angesagt waren, nahm ich sicherheitshalber einen Schirm mit. Ich vermute, nicht nur meine Mobilität ging tageweise gen null und wenig Mobilität = wenig Ansteckungsmöglichkeiten. Daher überrascht es mich auch nicht, dass Hamburg bei den Inzidenzwerten inzwischen ganz weit vorn liegt.

7 Wochen

Manchmal ist es faszinierend, wie schnell sich Dinge verändern. Vor etwas mehr als 7 Wochen war Ostern; ich wollte meine Eltern besuchen; Antigen-Schnelltests galten nur noch 24 Stunden und im Seniorenhaus wurden Besucher nur an drei Tagen die Woche getestet. Also buchte ich bei einer der wenigen Teststationen meinen kostenlosen wöchentlichen Bürgertest: Ostermontag um 8.00 Uhr, um nicht zu lange in der Schlange zu warten. Ostern um kurz vor 8.00 Uhr durch das eiskalte, schlafende Hamburg zu radeln = gelebte Tochterliebe.

Die kommenden Wochen wurden überall Teststationen eröffnet in Sportvereinen, Geschäften, Restaurants und Bars; ich benötigte häufig mehr als einen Schnelltest/Woche und wechselte anfangs die Anbieter, damit es nicht so auffiel. Inzwischen darf man sich auch offiziell mehrmals die Woche testen lassen, zudem ist das Angebot an Teststationen so groß, dass man auch kurzfristig einen Termin bekommt.

Nachdem ich meine Lieblings-Test-Station gefunden hatte und Freitag erstmals das Procedere fehlerlos und ohne dass es hakte absolvierte, ich also ein Bilderbuch-Testling war, wird jetzt alles wieder ebenso schnell wie es aufgebaut wurde zurück gebaut. Die Teststationen werden wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt: Restaurants servieren Speisen und Getränke, in den Sporthallen wird der Sportbetrieb zeitnah wieder aufgenommen, und ich benötige für viele Aktivitäten, die Ostern in weiter Ferne lagen, gar keine Tests mehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit (genau genommen fast 5 Monate) fiel der Inzidenzwert ratzfatz von 100 auf unter 50. Und jetzt? Ich habe für die nächsten Monate wieder viele Pläne und freue mich auf all die Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten, die ich die letzten Monate sehr vermisst habe.

Zum Kaffee trinken nach Pinneberg

Als Hamburgerin blickte ich – so lange ich denken kann – leicht überheblich auf den Kreis und die Stadt Pinneberg. Pinneberg vor den Toren Hamburgs gilt als provinziell; und wenn Sonnabends auf der Reeperbahn Junggesellinnen-Abschiede gefeiert wurden, war für Hamburger klar, das können nur peinliche Pinnebergerinnen sein.

Nun hat sich das Blatt gewendet. Pinneberg gehört zu Schleswig-Holstein und auch wenn der Kreis nicht die super Inzidenzzahlen hat, profitiert er doch von der Gesamtsituation in Schleswig-Holstein. So kam es dann auch, dass ich letztes Wochenende mit dem Rad zum Kaffee trinken nach Pinneberg fuhr. Mit dem Rad, damit niemand sehen konnte, dass ich aus Hamburg komme. Ich wollte mir ja keine blöden Sprüche einfangen. Und was soll ich sagen: Es war toll. Kaffeebohnen und Röstung waren zwar nicht so exquisit wie in einigen Hamburger Cafés, aber das war mir egal. Es ging mir um das Gefühl: Draußen sitzen, einen Kaffee trinken und Menschen beobachten.

Wie sehr ich dies vermisst hatte, bemerkte ich erst, als ich mit meiner Tasse in der Sonne saß. Und ich vermisse noch mehr: Heute saß ich mit einem Freund auf den Stufen eines Hauseingangs. Beide hatten wir ein Essen-to-go auf den Knien und verbrachten so unsere Mittagspause. Redeten, lachten und tauschten uns aus. Eine Mittagspause, keine Essenseinladung zu Hause, sondern eine kurze Unterbrechung des Tages, die die Laune hebt und Schwung für den Nachmittag gibt.

Ich hatte schon fast vergessen, wie viele Facetten das Leben bietet und stelle erst jetzt nach diesem klitzekleinen Vorgeschmack fest, wie sehr ich all dies vermisst hatte. Ich freue mich, wenn die vielen Selbstverständlichkeiten wieder möglich sind: Sport, Konzerte, Vorträge, Museumsbesuche und Treffen mit Freunden (Plural = mehr als ein Freund). Das alles wird in Hamburg wohl noch etwas dauern; unser Bürgermeister ist ein scharfer Hund und lockert sehr langsam. Doch zum Glück gibt es ja Pinneberg vor den Toren Hamburgs.

Was gilt denn nun wo?

Bis vor wenigen Wochen war ich immer bestens informiert, welche Corona-Regeln ich zu beachten hatte. Wenn sich wieder einmal Menschen im Fernsehen beschwerten, sie wüssten gar nicht mehr, was wo gilt, hatte ich dafür kein Verständnis. Schließlich muss man ja nicht wissen, welche Regeln anderswo gelten, sondern nur über die Regeln vor Ort informiert sein.

Ich kann nicht mehr genau sagen, an welchem Punkt ich den Überblick verloren habe. Vermutlich als an einigen Plätzen und auf einigen Straßen in Hamburg die Maskenpflicht eingeführt wurde. Orte und Zeiten änderten sich mehrmals, sodass selbst die Polizei zeitweise nicht mehr wusste, was wo galt. Als wir dann vor zwei Monaten über 100 kamen, kamen die Hamburg-Regeln hinzu und kürzlich die Bundesnotbremse, die bundesweit einheitlich für alle Orte mit einer Inzidenz über 100 gelten soll, allerdings nur eingeschränkt für Hamburg, denn hier gilt immer die strengere Regel von beiden. Beispielsweise beginnt die abendliche Sperrstunde nach den Hamburg-Regeln um 21.00 Uhr; deutschlandweit beginnt sie aber erst um 22.00 Uhr. In so einem Fall gilt in Hamburg weiterhin 21.00 Uhr, denn dies ist die striktere Regel. Nach der Bundesnotbremse darf man abends nach 22.00 Uhr nicht mehr allein Joggen. Das war vor in Kraft treten der Bundesnotbremse in Hamburg noch erlaubt (auch Gassi gehen mit dem Hund ). Ab sofort halten wir uns aber an die Bundesnotbremse und sind vom Joggen um 21.00 Uhr zurück. Auch in diesem Fall gilt die strengere Regel.

Bei den Lockerungen deutet sich an, dass es ähnlich kompliziert werden könnte. Das RKI bescheinigt Hamburg seit einigen Tagen einen Inzidenzwert unter 100. Doch der in Hamburg selbst errechnete Inzidenzwert lag immer noch über 100 (= keine Lockerungen). Seit heute sind nun beide Werte unter 100, und der Bürgermeister hat schon einmal angedeutet, dass die erste große Lockerung „Sport im Freien“ sein wird. Andere Kreise schieben bei Inzidenzwerten unter 100 die Stühle vor die Restaurants; wir machen „Sport im Freien“ und dürfen nach Voranmeldung in den Botanischen Garten – allerdings nur mit tagesaktuellem negativen Schnelltest und medizinischer Maske.

Vielleicht hast Du auch einfach zu wenig

Als ich meine Mutter heute Vormittag anrief, berichtete sie mir ganz aufgeregt, dass sie sich umziehen wollte und keinen BH fand. Der BH war weg; sie vermutete, dass jemand ihn genommen habe. Um sie zu beruhigen, sagte ich, dass wir morgen bei meinem Besuch gemeinsam suchen werden und dass ich ein Maßband mitbringen werde, um den Brustumfang auszumessen. Wenn ich die Größe wüsste, könnte ich ja noch zwei BHs nachkaufen. Abschließend sagte ich: „Vielleicht hast Du auch einfach zu wenig.“ Daraufhin antwortete meine Mutter entrüstet: „Nein, zu wenig habe ich nicht. Der Busen hängt ja…“

Ich bin ein Impfling

Der Besuch im Impfzentrum und der Piks zählen zu den Highlights meiner Woche. Nachdem ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, in absehbarer Zeit geimpft zu werden – den Versprechungen der Politiker mochte ich nicht mehr trauen -, kam quasi über Nacht das Impfangebot für Hamburger 60+, und ich hatte nächsten Tag meinen Termin.

Ich war begeistert. Mit mir waren dort all die anderen Hamburger 60+, die vermutlich auch über die letzten Wochen beobachtet hatten, dass wir beim Impfen in der Priogruppe 2 feststeckten und nicht sichtbar weiterkamen. Somit war die Stimmung unter dem Impflingen ausgezeichnet. Und dann waren im Impfzentrum sehr viele, sehr nette Mitarbeiter:innen. Die eine desinfizierte die Absperrungen, die nächste bot einen Stuhl an; ich guckte an einem Punkt etwas verloren, sofort war jemand da und fragte, ob ich Hilfe benötigte. Die waren vermutlich noch die Impflinge 75+ gewöhnt 😉 . Chapeau, was die überwiegend jungen Menschen im Impfzentrum leisten. Sie sind den ganzen Tag in den Messehallen ohne Tageslicht und arbeiten mit FFP2-Maske, und ich gehe stark davon aus, dass bei vielen von ihnen „im Impfzentrum arbeiten“ die Alternative zum ursprünglich geplanten Work & Travel-Jahr o. ä. war.

Noch kurz für alle, die es interessiert: Ich wurde mit AstraZeneca geimpft und ja, ich hatte Impfreaktionen mit Schüttelfrost und leichten Gliederschmerzen. Nach 24 Stunden war aber alles vorbei.