Anstand

Laut dem Deutschen Universal Wörterbuch vom Duden-Verlag versteht man darunter „gute Sitte, schickliches Benehmen“. Dieses schickliche Benehmen scheint vielen Firmen und Mandatsträgern in den letzten 12 Monaten abhanden gekommen zu sein. Langsam und unspektakulär kam es abhanden, wie in manchen Liebesbeziehungen die Liebe abhanden kommt.

Anders kann ich es mir nicht erklären, dass gleich mehrere Politiker Amt und eigenes Portemonnaie so verquicken, als gehörten sie quasi per Geburtsrecht zusammen, dass Verträge über Liefermengen nicht eingehalten werden oder Absprachen über Notbremsungen. Einige Bundesländer finden in der Not dann doch nicht die Bremse. Auch passt in diesen Zusammenhang, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Wir sollen nicht verreisen, aber die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Strenz fliegt mit ihrem Ehemann vermutlich zur Erholung nach Kuba. Wäre nie rausgekommen, wäre sie nicht auf dem Rückflug kollabiert und anschließend gestorben. Auch Jens Spahn hat sich auf seiner 9999-Euro-Spendenparty mit deutlich mehr Menschen getroffen, als ich Geburtstagsgäste einladen durfte.

Ich beobachte, dass mich dieser fehlende Anstand bei Menschen, die von Steuergeldern bezahlt werden, ärgert und dass es mir schwerfällt, bei diesem Thema den Bogen zum „Glück“ zu bekommen. Ich versuche es einmal so: Was für ein Glück, dass diese selektiven und rein subjektiven Beobachtungen fehlenden Anstands der Vergangenheit angehören und dies zukünftig nicht mehr passieren wird. Denn zumindest die CDU-Abgeordneten haben kürzlich alle ein „Weiße-Weste-Papier“ unterschrieben. Erinnert mich ein wenig an den Persilschein.

„Was wahrer Anstand ist, weiß man erst, wenn er ganz offensichtlich fehlt. Wahrer Anstand ist nicht nur eine Frage der Form, sondern eine Voraussetzung für ein redliches Leben.“ (Miroslav Holub)

2 Kommentare zu „Anstand

  1. Liebe Felicia,
    das ist ein sehr schöner Text. Da hätte man ganz böse drüber schreiben können. Aber so subtil ist es viel schöner und ein Lesegenuss. Ich musste an einen Film mit Senta Berger Berger von 2009 denken. “ Frau Böhm sagt Nein“. Senta spielt eine langjährige Firmenmitarbeiterin in der Buchhaltung und soll dem Vorstand hohe Boni auszahlen, weil sie die Firma an einen Ausländischen Investor verkauft haben, der die Firma schließen will. Frau Böhm sagt Nein und erklärt: “ Vorstand bedeutet Vorbild und Anstand und Sie sind kein Vorbild und haben auch keinen Anstand“ . Eine schöne Erklärung. Dir ein schönes Wochenende. Herzlichst
    Tesie 🍀

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