Wortfindungsstörungen

Kürzlich belauschte ich ein Gespräch. Zwei Freundinnen unterhielten sich über Wortfindungsstörungen und stellten fest, dass sie diese in letzter Zeit häufiger haben. Sie konnten sich nicht final einigen, ob dies an den Kontaktbeschränkungen oder am Alter lag.

Ich nutze bewusst jede Gelegenheit, die sich für ein Gespräch bietet. Man könnte auch sagen, ich dränge meinen Mitmenschen ein Gespräch regelrecht auf. Heute hatte ich dabei eine sehr lustige Begegnung. Auf einem großen offenen Stadtteilspielplatz waren neue große Schilder angebracht, die auf die seit Sonnabend geltende Maskenpflicht hinwiesen. In meinen Augen ein bisschen übertrieben, da es sich um eine wirklich große Fläche handelt. Ich betrachtete also die Schilder und drehte mich zu einem Mann um, der hinter mir stand und mich anlächelte. „Ich würde mir diese Eifrigkeit auch bei anderen Dingen wünschen.“ Er antwortete freundlich und zugewandt; ich verstand nicht alles – genau genommen verstand ich gar nichts -, setzte unser Gespräch aber nichtsdestotrotz fort. Als er daraufhin antwortete: „Ich habe mich sehr über Deine Nachricht gefreut“ – stutzte ich. Kannte ich ihn? Hatte ich ihm geschrieben? Wenn ja, wann? Es hat einen Augenblick gedauert, bis der Groschen fiel: Er hatte gar nicht mir freundlich zugelächelt. Er lächelte verklärt vor sich hin, weil er mit seiner neuen Flamme telefonierte und Frühlingsgefühle hatte.

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