“Wir müssen mit am Strang ziehen…”

Als meine Mutter gestern am Telefon diesen Satz sagte, war ich ganz bewegt. Seit fast 4 Wochen ist ihre Senioren-Einrichtung Hotspot. Die Bewohner sitzen ohne jede Ablenkung von außen auf ihren Zimmern. Das schmerzt mich am meisten, denn “sich selbst beschäftigen” ist für demente Menschen nicht mehr möglich. Sie benötigen zur Aktivierung den Reiz von außen.

Natürlich habe ich mich gefragt, wie es zu so einem Ausbruch kommen kann. Die Pandemie begleitet uns inzwischen seit knapp einem Jahr. Stand vorgestern waren 88 von 118 Bewohnern erkrankt und 10 pflegebedürftige Menschen verstorben. Warum trugen die Personen, die mit dem Außen Kontakt haben, nicht konsequent FFP2-Masken im Haus? Wieso hat man den Ausbruch nicht früher erkannt? Doch was würden die Antworten für mich und andere Beteiligte ändern?

“Wir müssen mit am Strang ziehen…, was bleibt uns auch anderes übrig.” Von dieser annehmenden Haltung kann ich mir eine dicke Scheibe abschneiden: Dinge so nehmen, wie sie sind, und jeden Tag für sich allein zu sehen. Die lange Strecke, die vor uns liegt, und das Fehlen einer konkreten Perspektive hat mir in letzter Zeit am meisten zu schaffen gemacht. Wenn ich abends allerdings den einzelnen Tag Revue passieren ließ, war er meist gut. Manchmal auch nicht so gut. Doch wenn ich ehrlich bin, war dies auch in anderen Jahren im Januar so.

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