Schlangestehen

Als Kind bin ich Sonnabend vormittags immer mit meiner Mutter einkaufen gegangen. Es ging zum Bäcker, zum Schlachter und zum Grünmann und überall standen wir an. Manchmal auch länger, da alle Kundinnen vor uns individuell bedient wurden. Meine Mutter plauderte in der Wartezeit mit den Nachbarinnen, und ich stand dabei. Manchmal sprang ein Stück Wiener Würstchen oder eine Apfelspalte für mich heraus, aber ich glaub, meine Haupttätigkeit bestand im Danebenstehen und Warten.

Das ist lange her und vor Corona wurde ich schon innerlich unruhig, wenn drei Leute vor mir an der Kasse standen und eventuell noch einzelne Cent vorzählten. Die nächsten Wochen muss ich mich wohl darauf einstellen, wieder anzustehen. Donnerstag und Freitag bekam ich schon einen ersten Eindruck, und da zu Weihnachten von allem noch mehr gekauft wird als normalerweise, werden die Schlangen vermutlich deutlich länger als die Schlangen vor dem Eismann an einem Sommertag.

Wie es wohl Menschen geht, die in der DDR sozialisiert wurden? Haben sie ein Trauma vom vielen Schlangestehen davongetragen oder können sie sich jetzt auf Kernkompetenzen besinnen und sind all denjenigen gegenüber im Vorteil, die nur Supermärkte und Selbstbedienung kennen?

Gestern entdeckte ich obige Plakatwand. Vielleicht sollte ich Weihnachten meine Einkaufsliste bei Hermes abgeben.

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