„Wir küssen uns nicht mehr“

Diese Maßnahme hat meine demente Mutter vor einiger Zeit ergriffen, um ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Dass sie und mein Vater sich ein kleines, überheiztes und wenig gelüftetes Zimmer im Seniorenhaus teilten und dass ihre Maßnahme daher wenig Wirkung hat und eigentlich nur schade ist, weil unnötig etwas Schönes verloren geht, kam bei ihr nicht an. Bei jedem Besuch berichtete sie mir stolz, dass auch sie ihren Beitrag leisten, damit das Virus bald verschwindet.

Nach einem Fehlalarm vor zwei Wochen wurde Anfang dieser Woche ein Mitarbeiter des Hauses positiv auf das Virus getestet. Es war ja nur eine Frage der Zeit, dass es einen Fall gibt, und wir hatten Glück, dass wir den Sommer mehr oder weniger unbeschwert im Garten verbringen konnten. Jetzt ist erst einmal 10 Tage Besuchssperre. Dieses versuchte ich meiner Mutter am Telefon zu erklären. Tatkräftig und plietsch, wie sie nun einmal ist, hatte sie auch jetzt wieder eine Lösung für sich parat: „Gut, dann lassen wir jetzt niemanden mehr in unser Zimmer.“ Ich habe den Vorschlag nicht weiter kommentiert und frage besser auch nicht nach, wie es ausgegangen ist.

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