Neulich beim Fahrradhöker

Die Pandemie bzw. die Folgen der Pandemie sind auch bei den Fahrradhändlern angekommen: viel Arbeit, keine Ersatzteile und lange Schlangen vor dem Geschäft. Nichtsdestotrotz mein Rad musste in die Inspektion. Also machte ich vor ca. 3 Wochen einen Reparaturtermin aus. An besagtem Tag gab ich mein Rad ab, und am Folgetag wollte ich es wie abgesprochen nachmittags abholen. Es war noch nicht fertig, und ich sollte in einer Stunde wiederkommen. Eine Stunde später fand ich mich wieder vor dem Laden ein. In der Zwischenzeit hatte sich eine lange Schlange gebildet, die stark an eine Wohnungsbesichtigung erinnerte. Ich wedelte ein wenig mit meinem Abholschein, doch hatte dieser nicht die Wirkung einer Schufa-Auskunft bei einer Wohnungsbesichtigung. Also stellte ich mich vorbildlich an und wartete. Irgendwann kam ich dran, bezahlte und fuhr los. Schon an der nächsten Ampel merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Rücktrittbremse blockierte, sodass ich fast vorn überfiel. Vorsichtig mit schleifendem Schutzblech und ohne Rücktrittbremse fuhr ich nach Hause. Ich hatte keinen Nerv, mich noch einmal anzustellen.

Einen Tag später bin ich mit meiner Reklamation wieder hin. Es bediente mich nicht der Besitzer, bei dessen Vater ich schon vor über 50 Jahren mein erstes Fahrrad bekam, sondern ein neuer, cooler Fahrradmechaniker. Als ich mein Anliegen vorbrachte, versuchte er mir ernsthaft weiszumachen, es sei eine Schutzblechhalterung auf den 50 m vom Laden bis zur Ampel abgefallen, und es sei meine Schuld. Ich wartete nur darauf, dass er mich fragt, ob ich überhaupt Radfahren könne. Ich kochte innerlich. Auch wenn man es nicht vermutet, in mir schlummert das Temperament einer Italienerin. In der einstündigen Wartezeit warf ich erst einmal vier Schokokugeln ein. Dies half auch nicht, aber das wusste ich beim Essen der Kugeln ja noch nicht. Danach überlegte ich, wie ich reagieren will, wenn ich das Rad abhole und entschied mich, dass ich spontan und humorvoll die Sache angehen werde und ihn gegebenenfalls auch frage, ob er mir einen Anfängerkurs für Radfahrer empfehlen könne. Mit dieser inneren Haltung hat sich aber alles wie von selbst aufgelöst. Der Besitzer entschuldigte sich, es sei der Fehler des neuen Mechanikers gewesen und wir beide freuten uns, dass ich nicht über den Lenker abgestiegen war. Ende der Geschichte.

Moral: Idioten gibt es überall. Man sollte sich nicht über jeden Idioten ärgern.

Ein Kommentar zu „Neulich beim Fahrradhöker

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