Verschminkt

Dienstag habe ich mich verschminkt. Beim letzten Mal, als mir das passierte, war ich 5 Jahre alt und experimentierte mit dem Lippenstift meiner Mutter. Seitdem kann ich morgens sogar ohne Spiegel den roten Lippenstift auftragen; dann noch ein Tröpfchen Eau de Toilette und der Tag kann beginnen. Es ist eine Routine, die dem Tag zeigt: So jetzt bin ich fertig, es kann losgehen, ich freue mich auf dich und bin gespannt.

Dass ich mir die letzten Wochen die Lippen nicht mehr schminkte und mich – use it or lose it – sogar verschminkte, lag oberflächlich betrachtet natürlich an der Maske. Kommt ja sowieso nachher der Mund-Nasen-Schutz drüber, lohnt sich gar nicht. Vielleicht steckte da aber auch noch mehr hinter. Eigentlich wollte ich seit Ende der Sommerferien gar nicht wissen, was der Tag bringt, denn dass einer der kommenden Tage in den kommenden Wochen die zweite Welle bringt, wurde mir täglich mehrmals im Radio berichtet. Wie eine düstere Wolke wabberte die zweite Welle um mich herum.

Im Herbst werden die Zahlen ansteigen, davon gehen alle aus und das erscheint mir auch logisch. Durch Beachtung der AHA-Regeln schaffen wir es vielleicht, diesen Anstieg möglichst flach zu halten. Verhaltene Lebensfreude hat allerdings keine Auswirkungen auf den Anstieg. Karl Valentin sagte einmal sinngemäß: Wenn es regnet, freue ich mich. Wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.

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