„Du bist mal hier, mal hier,

mal da, und ich bin immer bei Dir, ich weiß nichts über Dich, aber ich beschütze Dich und sag Bescheid, wenn’s ernst wird.“ Mit dieser Werbung für die Corona-Warn-App wurde eben ein Radio-Beitrag anmoderiert. Ich wusste gar nicht, dass für die App Werbung gemacht wird, bis ich eben die Original-Werbung im Internet suchte. Ich konnte nämlich kaum glauben, dass versucht wird, uns mit der Werbung so eine Lüge aufzutischen. Okay, ist Werbung. Da wird meist gelogen. Aber bei so einer gesellschaftlich wichtigen Frage zu lügen, finde ich grenzwertig.

Ich bin für die App und habe sie auch runtergeladen, doch die App schützt nicht mich, sondern wenn überhaupt mein Umfeld, indem Infektionsketten unterbrochen werden. Wenn ich mich 15 Minuten in unmittelbarer Nähe von jemanden aufgehalten habe, bei dem später das SARS-CoV-2-Virus diagnostiziert wird und die App mich benachrichtigt, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Ich kann – Stand heute – nichts mehr für mich machen. Es gibt keine Pille danach und kein Medikament, das den Verlauf der möglichen Erkrankung bei rascher Einnahme lindert. Beschützen würde mich ein Abstandmelder ähnlich einer Einparkhilfe, der piept, wenn sich jemand im Umkreis von 3 Metern aufhält. Gern könnte der Signalgeber, das mit dem Abstand genauso großzügig sehen wie meine Einparkhilfe. Die fängt nämlich immer schon an zu piepen, wenn noch massig Platz ist. Vielleicht sollte ich mir eine kleine Hupe in die Jackentasche stecken, damit tönen, wenn mir jemand zu nah kommt, und dann so tun, als sei es eine Warn-App.

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